Über 200 Gäste haben am 22. Communication Summit des Zürcher Pressevereins und der Zürcher PR-Gesellschaft an der ETH in Zürich teilgenommen.

Foto: Stefan Weiss
Unter dem Titel «Fakten oder Framing? Vertrauen oder Täuschung?» hatten der Zürcher Presseverein (ZPV) und die Zürcher PR-Gesellschaft zum Communication Summit eingeladen. «Wir leben in einer Zeit, in der sich News immer schneller verbreiten – und Fake News noch schneller», sagte Fabienne Sennhauser, Präsidentin des ZPV, in ihrer Willkommensansprache.
Ein KI-generiertes Video schafft es binnen Stunden in Millionen Feeds, bevor die erste Faktenprüfung erfolgt ist. Eine Marke verspricht Klimaneutralität und sieht sich tags darauf dem Vorwurf des Greenwashings gegenüber. Ein Creator setzt mit einer Story die Agenda, während Redaktionen um Ressourcen, Reichweite und Vertrauen kämpfen. Und Algorithmen belohnen, was polarisiert – nicht unbedingt, was aufklärt.
Kommt hinzu: Medienhäuser sind im Sparmodus, bauen kontinuierlich Personal ab und die etablierte und fundierte Berichterstattung über Politik und Wirtschaft wird zusehends von Meinungs-, Serviceartikeln und seichtem Boulevard verdrängt. Während die traditionellen Medien schwächeln, übernehmen immer mehr Unternehmen selbst die Rolle des Absenders und publizieren ihre Botschaften, Meinungen und Inhalte über Podcasts, Newsletter, Blogs und auf eigenen Medienkanälen.

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Für beide Seiten stellen sich unweigerlich die gleichen Fragen; Was ist in diesem Umfeld noch ein belastbarer Fakt – und was bereits Framing? Wo beginnt verantwortungsvolle Zuspitzung, wo endet sie als Irreführung? Wie schützen wir uns und unser Publikum vor Deepfakes, Desinformation und Content-Fluten, ohne die notwendige Debatte abzuwürgen? Und vor allem: Wie erreichen wir unser Publikum, und wie gewinnen wir sein Vertrauen zurück, in einer Zeit, in der Skepsis zur Grundhaltung geworden ist?
Über viele dieser Fragen und Herausforderungen diskutierte ein hochkarätiges Panel – jeder und jede der Teilnehmenden brachte dabei interessante Ansichten aus der eigenen Lebenswelt mit ein.
Video: m&k Das Magazin für markt & kommunikation
Publizist Roger de Weck pochte auf Faktenarbeit. Gerade im Lokaljournalismus, befand de Weck, sei es angezeigt, dass Journalisten sich als Dorfchronisten verstünden. Und weiterhin alles abbildeten, was in den Gemeinden geschehen würde. Das sei das Erfolgsrezept für Qualitätsjournalismus, so de Weck. Und er kritisierte die privaten Medienhäuser scharf für ihre zunehmende Imitation der sozialen Medien auf der Jagd nach Klicks. Dem widersprach Joachim Braun, Leiter Chefredaktion Südostschweiz und Mitglied Geschäftsleitung Somedia. In der Redaktion von Somedia, sagte Braun, interessiere man sich nicht für Klickzahlen, sondern für die kumulierte Lesezeit. Denn diese zeige, ob ein Inhalt wirklich beim Publikum verfange. Denn letztlich sei entscheidend, dass der Qualitätsjournalismus seine Adressaten auch finde.
Edi Estermann, Head of Corporate Communications Tamedia, gab dazu die Verlags-Perspektive: Tamedia setze auf KI als Effizienztool, aber nicht als Ersatz für Kreativität und Qualitätsjournalismus. Estermann machte aber auch klar: Mit Effizienzgewinn durch KI alleine sei es nicht getan. Medienhäuser müssten sich auch umstrukturieren. Und er appellierte dafür, dass öffentliche und private Medienunternehmen gemeinsam «Seite an Seite» statt gegeneinander kämpften.





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Wemf-CEO Jella Hoffmann lieferte die professionelle Einordnung der Mediennutzung der Schweizerinnen und Schweizer und räumte mit dem Klischee auf, dass junge Menschen nicht mehr lesen würden. Jugendliche und junge Erwachsene seien keine homogene Gruppe. Gerade auch deshalb müssten die Medien auch künftig auf unterschiedliche Formate setzen.
Eines jener Formate, die bei Jung und Alt immer populärer wird, sind Podcast. Die Podcast- und Video-Agentur Live Fabrik macht jährlich rund 60 bis 70 Prozent Umsatz mit Podcasts, die sie für Firmen und teilweise auch für SRF erstellen. Und diese haben teilweise Durchhörraten von bis zu 96 Prozent, wie Fabio Nay, Geschäftsführer der Live Fabrik und Ex-SRF3-Radiomoderator, berichtete. Insbesondere jene Podcast, die es dem Publikum erlauben, tiefer in ein Thema einzutauchen, funktionieren gemäss Nay gut. Er zählte etwa den Skipodcast «Podcast am Pistenrand» oder den , Finanzpodcast «Geldcast» auf.
Auch die SBB setzen auf Podcasts, wie Andreas Stuber, Leiter Kommunikation SBB, erklärte – «weil die klassischen Medien selbst oft nicht mehr die Ressourcen haben, in die Tiefe zu gehen». Die SBB setzen gemäss Stuber auf eigene journalistische Inhalte, um die Bindung zum Publikum nicht zu verlieren. Aber nicht nur: Medien schrieben aus Zeit- und Ressourcengründen zusehends voneinander ab, was dazu führte, dass auch Fehler reproduziert würden. Als Reaktion darauf etabliert die SBB das Format «Fakt ist».
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